Studentendorf Schlachtensee eG
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Grundsteinlegung am 10.10.1957, Eleanor L.Dulles und Willy Brandt
© Landesarchiv Berlin

Einzug der ersten Bewohner, Nov. 1959
© Alliiertenmuseum Berlin

Sommerfest in den 1970er Jahren
© Stallberger

Start der Erneuerung aus Anlass des 50. Jahrestages der Grundsteinlegung 2007
© StdS eG


Das Studentendorf Schlachtensee – ein Spiegelbild bundesrepublikanischer Geschichte

Das Studentendorf Schlachtensee ist die Keimzelle der heutigen Genossenschaft mit den studentischen Wohnanlagen im Südwesten der Stadt bei der Freien Universität Berlin und in Adlershof auf dem Campus der Humboldt-Universität.

Das Studentendorf der Freien Universität Berlin, so der ursprüngliche Name, verdankt sich einem umfangreichen Re-Education-Programm der Vereinigten Staaten. Hier sollte die künftige akademische Elite der Bundesrepublik Deutschland nicht nur ein Zuhause finden, sondern politische und demokratische Bildung erfahren. Die Architektur und viele Institutionen wie das Tutorenprogramm, der Dorfrat und Arbeitsgruppen, die Bibliothek und andere kulturelle Einrichtungen entsprangen diesem Gedanken und wurden mit großzügiger Hilfe des US-State-Departments finanziert.

Lieber Tanzen als Pauken

Das Interesse an Arbeitsgruppen und an demokratischer Teilhabe war allerdings schon in den Anfängen eher gering und Selbstinitiative ließ sich nur bei wenigen Studenten entwickeln. Die Studierenden besuchten lieber – wie andere Studenten auch – Tanzveranstaltungen und trafen sich auf Dorfpartys. Eleanor Lansing Dulles, Mitgründerin des Campus und Verantwortliche des US-Außenministeriums für den Aufbau Berlins kam deshalb 1961 zu einem ernüchternden Urteil: Nicht die geistigen Eliten treffe sie in Schlachtensee, sondern ganz gewöhnliche Studierende mit Alltagssorgen und Nöten, die nach mehr Privatheit, Freizeit und Wohnkomfort riefen – nicht anders als in den USA. Das anspruchsvolle Vorhaben schien gescheitert.

Erst die Studentenbewegung der sogenannten 68er und vor allem der Tod des Westberliner Studenten Benno Ohnesorg mobilisierten die Bewohner und entfachten gesellschaftlich-politische Kräfte im Studentendorf wie die legendäre Schlüsseltauschaktion aus Protest gegen die Geschlechtertrennung oder den im Juli 1969 beginnenden Mietstreik für ein bundesweites Wohngeld für Studierende.

Politisches Leben erwacht mit Verspätung

1971 wird das Studentendorf Schlachtensee in das Studentenwerk eingegliedert: Für den Betrieb und die Verwaltung war nunmehr mittelbar der Senat zuständig. Die Studentische Selbstverwaltung (SV) gründet sich als Bewohnervertretung und betreibt seitdem u.a. den Club A18 als Treffpunkt für Bewohner und Nachbarn.

Fehlende Investitionen zum Erhalt des Dorfs und zur Beseitigung von Baumängeln und wachsender Leerstand brachten das Dorf Anfang der 80er Jahre in Verruf. Das Studentenwerk ließ deshalb schon 1982/83 Sanierung, Erweiterung und alternativ auch den vollständigen Abriss und Neubau prüfen. Das Berliner Abgeordnetenhaus beschloss daraufhin schon 1985 den Abriss und Neubau. Allerdings kam der Landeskonservator dem Abriss zuvor: Er prüfte im Herbst 1986 den Denkmalwert des Studentendorfes. Dennoch setzte sich nach einer öffentlichen Debatte der Plan durch, das Dorf zugunsten einer Neubebauung aufzugeben und nur den Baumbestand zu erhalten.

Doch die Pläne blieben schon in den Anfängen stecken: Schon vor dem Fall der Mauer protestierten berlinweit Studenten und Bewohner gegen die wachsende Wohnungsnot und lehnten Abriss und Neubau ab. Die Freie Universität Berlin missbilligte den Abriss ebenfalls und drängte darauf, das Dorf wieder herzurichten.

1991 wird das Studentendorf Schlachtensee schließlich doch als Bau- und Gartendenkmal eingetragen, Ende der 90er Jahre geriet die Anlage aber erneut in die Diskussion: Hohe Investitionen ließen eine Sanierung unrentabel erscheinen und weckten das Interesse an einer Gewinn bringenden Verwertung – als attraktiven Wohnstandort für Familien.

Studenten geben nicht auf

Erneut regte sich Widerstand in der studentischen Bewohnerschaft, die sich in hohem Maß mit ihren Wohncampus identifizierten und sich gegen den Abriss stemmten. Die Bewohner suchten Unterstützung auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen und gründeten im Club A18 einen Freundeskreis, der fortan den Protest organisierte und mit dem Land Berlin Gespräche über den Kauf des Dorfs führte – der Freundeskreis ist die Urzelle der heutigen Genossenschaft Studentendorf Schlachtensee eG.

Ende 2003 – ganze 20 Bewohner lebten noch im Dorf – gelang bei den Verhandlungen der Durchbruch und die Anlage wurde an die ein Jahr zuvor gegründete Genossenschaft verkauft. Seitdem betreibt die Genossenschaft das Studentendorf und setzt Haus für Haus unter laufendem Betrieb und denkmalgerecht instand. Zahlreiche Partner und Förderer wie die Bundesregierung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und vor allem die Freie Universität sind dabei eine wertvolle und unverzichtbare Hilfe. Nach Abschluss der Arbeiten im Jahr 2023/24 werden wieder rund 900 junge Menschen im Studentendorf leben.

2006 bestätigte die Bundesregierung dem Studentendorf den Rang eines Nationalen Kulturdenkmals.





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